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Rezension "voices & grooves"

Sax Voices & Grooves im Scenario
Matthias Graf in concert

Er muss schon etwas ganz Außergewöhnliches sein, dieser Matthias Graf, betrachtet man die zahlreich erschienenen Konzertgäste, die sich am 18. Juni in den Räumen des Kulturzentrums Tempel versammelt haben - erstaunlich, angesichts der zu abendlicher Stunde noch immer vorherrschenden fast 30 Grad im Schatten. Und wo sich andere im Biergarten bei kühlen Getränken lautstark die Zeit vertreiben, sind die Töne im Saal und das damit verbundene Vergnügen doch ganz anderer Art.

Rasch wird klar, Matthias Graf ist tatsächlich eine Ausnahmeerscheinung. Wer in der Lage ist, auf so virtuose Weise die vietnamesische Maultrommel mit einem E-Bass zu kombinieren, das Ganze mit sieben weiteren Instrumenten - darunter eine Violine und ein Didgeridoo - zu einem musikalischen Event auszubauen, der ist tatsächlich ein Meister seines Faches.
Das damit verbundene Klangvolumen haben die begeisterten Zuhörer unter anderem einem neuen Medium, dem so genannten Looper zu verdanken, mit dem die meisten Anwesenden an diesem Abend sicher zum ersten Mal Bekannschaft machen. Eine Eigenentwicklung des Musikers in Zusammenarbeit mit Leonhard Schneider - Live-Recording heißt das Geheimnis! Bei dieser Form der Wiedergabe des soeben Gespielten entstehen nach den Worten des Künstlers "schillernde Kaleidoskope spontaner Mehrstimmigkeit vor laufenden Mikrofonen".

Geige

Auf ganz besonders schöne Weise wird dies in dem Stück "Die alte Geige und die Zeit" spürbar, in dem der Musiker den Dialog der Violine mit sich selbst ermöglicht, was geradezu philosophisch anmutet. Was eben noch Gegenwart war, ist im nächsten Moment Vergangenheit, mit welcher der Künstler und sein Instrument - ganz gegenwärtig - in Dialog treten.

Rasch jedoch mutiert Matthias Stradivarius zu Matthias, dem Rocker, dann nämlich, wenn die E-Gitarre auf den Plan tritt, um sogleich wieder sanftere Töne anzuschlagen, beispielsweise auf der Blockflöte wie im Song "A little Snow" - äußerst gewagt bei solch hochsommerlichen Temperaturen!
Graf hat seinem Publikum aber noch mehr zu bieten. Auch als Vokalkünstler bringt er Erstaunliches zu Gehör, fast schon sphärisch anmutende Geräusch- und Tonkollagen ebenso wie anrührende Liebeslieder. Da liegt der Gedanke an einen Barden der Neuzeit nahe.

Matthias Graf

Matthias Graf entdeckte schon in seiner frühen Kindheit den freien musikalischen Ausdruck als eine ihm wichtige und vertraute Sprache; er versteht sich selbst nicht nur als Musiker, Komponist und Produzent, sondern auch und vor allem als Improvisator und Performer, was in diesem Konzert besonders deutlich wird.
"Als Multi-Instrumentalist empfinde ich jedes meiner Instrumente als Teil von mir, mit jedem verbindet mich eine intensive Geschichte. Meine vorwiegend autodidaktische Entwicklung führte mich zu den unterschiedlichsten Stilen." Der Vollblutmusiker fühlt sich der Folklore wie dem Free-Jazz verbunden, der Klassik wie dem Rock, eine musikalische Vielfalt, die diesen Abend so abwechslungsreich und spannend macht. Rhythmische Collagen und moderne Grooves wechseln sich ab mit meditativen Klangflächen und Vocal-Improvisationen.

Der Titel ist also Programm: "Voices und Grooves" - in der Tat eine mitreißende Mischung aus Humor, Tiefgang und Power.

Sylvia Mutter, raumK August 2005