Musik im Dialog
 
 
Aktuelle Termine

Musik-Coaching

Konzerte

CD-Shop


Startseite   
Referenzen   
Vita   
Kontakt   
Links   
Datenschutz



Rezension "Lebensklänge"

Hören. - Fast 2 Stunden still in einer Kirche sitzen und ununterbrochen hören, lauschen, horchen - ganz Ohr sein. Menschen im Alter von sieben bis über achtzig Jahren haben diese Erfahrung gemacht bei einem außergewöhnlichen Konzert unter dem Titel "Lebensklänge"mit Matthias Graf in der Nürnberger Egidienkirche am 15. März 2002.

Eine Klangreise ist angekündigt. Die Instrumente warten verteilt im Altarraum. Dann der erste Ton. Von einem Xaphoon, einem kleinen Bambussaxophon. Der warme Ton füllt den weiten Klangraum der Kirche. Er erzählt von Freude und Leid, vom Auf und Ab des Lebens. Und verklingt in die Stille. Der Ton einer Klangschale. Schellen. Tiefe Atemgeräusche gehen über in das urtümliche Röhren eines Didgeridoo. Die tiefen Urtöne werden auch tiefer gehört, mit dem Bauch, mit den Eingeweiden. Auch sie verklingen in die Stille. Dann löst sich der schwebende Ton einer Nepalflöte aus der Stille und führt in die Weite und Höhe der Bergwelt.

In diesem Wechsel von Stille und Klang geht die Reise durch 18 Stationen, durch 18 Klanglandschaften. Geige, Gitarren, Saxophon, Trommeln, Akkordeon, Flöten, Gong, Kalimba, Monochord und immer wieder das Urinstrument der Stimme, ohne Worte, weben einen Klangteppich. Das Hören der vielfältigen Klänge und Stimmungen macht innerlich flexibel und weit. Die Töne, die Melodien, berühren, öffnen.

Was wir hören ist kein seichtes Esoterikgesäusel, kein akustischer Süßstoff, der die Seele kitschig verklebt. Was wir hören ist elementare Musik, ist Klang, der elementare Gefühle zum Ausdruck bringt. Nicht nur Friede und Harmonie, sondern auch Klagen und Trauern, auch Wut und Aufbegehren in den Tonkaskaden einer E-Gitarre oder eines Saxophons, oder augenzwinkernder Humor in den leichten rhythmischen Tönen des "Daumenklaviers" Kalimba. Der 40jährige Musiker hat sich intensiv mit der Vielfalt und Gegensätzlichkeit, der Polarität der menschlichen Gefühlwelt auseinandergesetzt, insbesondere in einer Ausbildung in Gestalttherapie. Aber seine Musik hat in keinster Weise einen gekünstelt therapeutischen Beigeschmack.

Matthias Graf beeindruckt nicht nur durch die erstaunliche Vielfalt seiner instrumentalen Virtuosität, die ihresgleichen sucht (wobei eines seiner Hauptinstrumente, das Klavier, gar nicht zum Einsatz kam). Hier geht es nicht um demonstrativ virtuoses Spiel, das die Bewunderung sucht. Hier geht es um elementare Musikalität, um Ausdruckskraft im Medium des Klangs .Hier spielt und singt einer weil er muss, aus Berufung, aus Passion, aus Freude. Dieses Authentische überträgt sich, man spürt es. Nie ein Moment des Peinlichen, des Unechten. Man glaubt ihm seine Musik, wie es eine Konzertbesucherin ausdrückte. Hier hat einer nach langem Weg seine persönlich stimmige künstlerische Ausdrucksform gefunden.

Am Ende des Konzerts, nach den letzten Klängen des Monochords und unserer Stimmen, Stille - minutenlang. Wir wollen sie noch einmal hören - die Stille - den Urklang der Stille. Erst dann der Applaus.

Das Konzert von Matthias Graf war für mich eines meiner beeindruckendsten Klangerlebnisse. In ihrer Vielfalt und elementaren Einfachheit führt seine Musik, oder besser, seine Komposition von Klang und Stille, in einer natürlichen und selbstverständlichen Weise in eine spirituelle, meditative Erfahrungstiefe, zum Elementaren, Wesentlichen. Ich wünsche den "Lebensklängen" dieses außergewöhnlichen Musikers noch viele Zuhörer.

Pfr. Dr. Ludwig Frambach
Leiter des "Projekts Spiritualität" Nürnberg